Sportbuch 09/2017: Rassismus im Fußball sollte uns alle beschäftigen

Ich habe dieses Wochenende nicht viel sportliches mitbekommen. Erst lag ich krank im Bett und am Sonntag haben wir einen wunderbaren Ausflug unternommen, während der FCA die 3 Punkte in Bremen einfuhr. Was mir dennoch im Kopf hängen geblieben ist, ist der Hinweis von Marvin auf Twitter:

Im Umfeld der Offenbacher Kickers tummelt sich wohl so einiger Dreck, der dort wohl auch toleriert wird. Es macht mich sehr wütend, wenn der Fußball  so schändlich missbraucht wird. Mit diesem Thema habe ich mich in diesem Jahr auch schon etwas mehr auseinandergesetzt, und darüber berichtet, denn Ronny Blaschke hat ein tolles Buch geschrieben. Im letzten Urlaub hatte ich mir daher wieder vorgenommen, etwas von Ronny Blaschke zu lesen und kann auch Im Schatten des Spiels nur wärmstens empfehlen.

 

Leider überaus notwendige Lektüre. Blaschke sehr konkret und ohne Beschönigungen. #Fussballbuch

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In diesem Buch geht es im Fokus eher zum klassische Hooligans, deren Kultur und Hintergründe. Ein Blick auf Nazis im Umfeld von Fußballspielen bleibt allerdings auch nicht aus. Warum die präventive Fanarbeit immer noch zu kurz kommt, wird logisch hergeleitet und sinnvoll dargelegt. Darf jeder Bundesligist für sich selbst schauen, ob er die Mindestanforderungen erfüllt. Blaschke schneidet in seinen Kapiteln viele unterschiedliche Facetten des Themas an und wagt auch einen Blick über die Grenze. Auch mehrere Jahre nach Erscheinen bleibt das Buch so ein Standardwerk, das ich gerne allen Fußballinteressierten ans Herz legen möchte. Ich werde weiter Bücher von Ronny Blaschke lesen. Das nächste liegt schon bereit. Ich werde berichten, ob der Kerl nur lesenswertes produziert. Ich wünsche mir, dass dem so ist. 

Sportbuch 08/2017: Old School Hitter aus der NFL

Ich hatte Urlaub und es war das letzte Buch, dass American Football betraf, das ich in meinem Regal finden konnte. Die Saison hatte gerade angefangen und ich wollte unbedingt ein footballspezifisches Buch lesen. Da durfte es dann auch mal die Autobiografie mit dem Titel Romo: My Life on the Edge: Living Dreams and Slaying Dragons von Bill Romanowski sein. Das Buch lag da schon etwas länger und mir sagte die Person Romanowski bis dahin nichts. Romanowski spielte zu einer Zeit, als ich Football noch nicht aktiv verfolgte. 

 

Als ich dann in der spanischen Sonne so anfing zu lesen, wusste ich recht schnell, dass ich die Geschichte von Romanowski spannend finden würde. Romanowski spielte zu einer Zeit Football, als die Gesundheit der Spieler noch keine so große Bedeutung hatte wie heute. Es ist erschreckend wie viele Gehirnerschütterungen Romanowski während seiner Karriere erlitt. Verwunderung fehlt allerdings, da zu seiner Zeit ein solider Tackle eben auch mal eben Helm-auf-Helm Kontakt bedeutete. Über die langfristigen Wirkungen machte sich damals noch kaum jemand Gedanken. Einige zu frühe Todesfälle ist die Liga an dieser Stelle zwar weiter hat aber noch einen weiten Weg vor sich. Gerade heute, wo ich Alonsos Hit auf Joe Flacco sah, der erneut nicht zu einer Ejection führte. Greift die Liga hart genug durch? Zumindest nicht direkt im Spielbetrieb.

Ein anderer Aspekt, der mich an Romos Karriereverlauf interessiert, ist der Gebrauch von „Nahrungsergänzungsmitteln“. Zu seiner Zeit wurden einige Dopingmittel neu entwickelt, die anfänglich nicht als solche verboten waren. Romo hat fast alles ausprobiert, was seine Leistung auch nur kleinwenig steigern hätte können. Dazu gehörte, dass er sich in seinen Trainingspausen regelmäßig selbst diverse Infusionen legte. Alles, um seine Karriere entsprechend zu verlängern.

Zurück bleibt am Ende ein Spieler, der seinen Körper bis zum allerletzten geschunden hatte. Geschmacks- und Geruchssinn waren beim Karriereende verloren. Seine Reaktionszeiten auf sein Umfeld deutlich verlangsamt. Sein Gehirn hatte langfristig Schaden gelitten. In diesem Zusammenhang zeigt seine Laufbahn sehr deutlich, dass es die NFL über lange Zeit nicht geschafft hat Spieler vor Ihrem eigenen Ehrgeiz zu schützen und diesen auf Grund des Spektakels sich sogar zu Nutze gemacht hat. Dafür kann ich nur eine klare Lesempfehlung aussprechen.

Sportbuch 07/2017 und Sportbuchempfehlungen für den Herbst

Es hat etwas gedauert, bis zu einer neuen Ausgabe des Sportbuchs. Ich bin lange nicht zum Lesen gekommen. Ich hatte schlicht nicht die Ruhe dafür. Zudem bin ich zu sehr beschäftigt mit meinem FC Augsburg Blog, der Rosenau Gazette. Dieser wird immer größer und deutlich regelmäßiger mit Inhalten gefüttert. Dennoch tut sich viel im Bereich der Sport- und Fußballbücher und ich möchte euch hierzu ein paar Informationen nicht vorenthalten.

Bücher sind wie Schuhe, Fußballbücher wie Fußballschuhe. Für unterschiedlichste Menschen und Spielertypen auf dem Feld gibt es unterschiedliche Schuhe. Beratung z.B. bei SportScheck ist dabei unerlässlich. Um euch einen Einblick in ein paar der erschienenen Sportbücher zu gewähren, will ich euch nachfolgend verraten, welche Titel es auf meine Leseliste geschafft haben. 

  • Wir Wochenendrebellen: Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa ist wohl der Pflichtitel des Jahres. Mirco von Juterczenka und Sohn Jay Jay, der Asperger-Autist ist, berichten von ihren Groundhopping-Touren durch die Fußballstadien Europas. Nebensächlicher aber auch wichtiger war Fußball selten. Ich habe viele Blogbeiträge gelesen und freue mich darauf, auch das Buch für mich zu entdecken. 
  • Das Spiel meines Lebens vereint viele Geschichten u.a. von Ronald Reng zu den bedeutendsten Spielen ihres Lebens. Dieses Buch ist mit Sicherheit kurzweilig und persönlich und ich freue mich zu lesen, welche Spiele andere Menschen geprägt haben. 
  • „Wenn ich Du wäre, wäre ich lieber ich“ ist einer dieser stilprägenden Sätze von Ansgar Brinkmann. Es gab selten einen unangepassteren Fußballprofi. Seine Biografie erscheint mir eine äußerst unterhaltsame Lektüre zu sein, die ich mir auch bald vornehmen will. 

In den letzten Wochen habe ich einen Klassiker nachgeholt. Die Geschichte von Lars Leese und dem Profifußball, die Ronald Reng mit dem Titel Der Traumhüter: Die unglaubliche Geschichte eines Torwarts aufgeschrieben hat, ist ein tolles Fußballbuch. Mei, es ist halt ein Buch von Ronald Reng. Reng findet sich auf meiner Top5-Liste der deutschsprachigen Fußballautoren wieder, obwohl der Traumhüter nach der Biografie von Robert Enke erst das zweite Buch ist, dass ich von ihm gelesen habe. 

 

Muss wieder mehr über Sportbücher schreiben. Ist ja nicht so, dass ich gar nichts mehr lese.

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Die Geschichte von Lars Leese ist sehr wundervoll. Leese war lange im Amateurbereich unterwegs und hatte keine ambitionierten Absichten Profifußballer zu werden. Durch einige Zufälle wurde er zuerst dritter Torwart bei Bayer 04 Leverkusen (verpflichtet von Rainer Calmund) und dann Torwart von Barnsely in der Premier League. Dort stand er 2 Jahre unter Vertrag und absolvierte einige Profispiele, bevor er nach Deutschland zurückkehrte und wieder in den Niederungen des Amateurfußballs verschwand. Leeses Geschichte gibt durch seine neue Perspektive einen anderen Einblick in den Profifußball als andere Bücher. Reng hat erneut eine besondere Geschichte gefunden, die er persönlich wenig distanziert, sehr detailreich und aus großer Nähe erzählt. Wie auch Leeses Karriere nicht besonders lang ist, ist auch das Buch eher kurz. Das macht allerdings gar nichts, denn alles wesentliche ist schlussendlich gesagt und es liest sich flüssig und ohne Hänger. Ich kann nur dazu raten, dieses Werk nachzuholen, wenn ihr es noch nicht gelesen haben solltet. Ein faszinierenderer Blick auf die Premier League und die Welt der Torhüter ist zumindest mir noch nicht untergekommen. 

Sportbuch 06/2017: Wider dem Missbrauch von rechts

Kaum eine Thematik gewinnt leider in letzter Zeit wieder solche Aktualität, wie der Missbrauch des Fußballs durch Nazis. Nicht unlängst kam es bei Energie Cottbus zu sehr unschönen Szenen. Daher ist es aus meiner Sicht ein guter Moment ein Buch von Ronny Blaschke erneut in Erinnerung zu rufen, welches ich selbst erst vor einigen Wochen gelesen habe.

Angriff von Rechtsaußen: Wie Neonazis den Fußball missbrauchen ist ein sehr gut und ausführlich recherchiertes Werk, welches sich an einzelnen Fallbeispielen daran abarbeitet, wie und warum Nazis den Fußball unterwandern. Es gilt dabei für uns alle, die Augen offen zu halten, genau hinzuschauen und das Problem schon in der Wurzel zu bekämpfen. Wie man bei einigen Vereinen leidvoll erkennen musste, ist es schwer den Arschlöchern wieder Herr zu werden, wenn sie sich denn mal in den Vereinen oder der organisierten Fanszene festgesetzt haben. 

Ronny Blaschkes Ansatz als Autor des Buchs geht allerdings über das Aufdecken von Nazistrukturen hinaus. Er stellt darüber hinaus fremde Kulturen vor und lässt auch den damaligen Verbandspräsidenten Theo Zwanziger zu Wort kommen. Insgesamt schafft er es somit, einen Rundumblick zu dieser brisanten Thematik zu bieten, der dem Leser einen guten Einstieg und eine solide erste Basis verschafft. In der Detailtiefe werden allerdings auch eingefleischte Fans und Fußballfachpersonal weitere Details mitnehmen können, die die eigene Perspektive bereichern. Insgesamt ist dieses Buch aus 2011 auch heute noch als das Standardwerk zu diesem Thema zu bezeichnen und ich kann die Lektüre nur empfehlen. 

Wer will meine Erststimme bei der Bundestagswahl?

Alle wollen das große Rad drehen, im Bundestag mitreden, mich vertreten. Mein Wahlkreis ist „Frankfurt am Main I“ (Wahlkreis 182) und ich weiß, dass es im September vor allem auf meine Zweitstimme ankommen wird. Meine Erststimme kann aber zumindest für einen lokalen Bundestagskandidaten ausschlaggebend werden. In 2013 holte sich Matthias Zimmer (CDU) das Direktmandat knapp vor Gregor Amann (SPD). Insgesamt traten 11 Kandidaten an. In 2017 geht das Rennen erneut los. Matthias Zimmer tritt erneut für die CDU an. Oliver Strank wird für die SPD ins Rennen gehen. Auch die viele kleinere Parteien haben schon Kandidaten aufgestellt. Klar werde ich grundsätzlich niemanden wählen, der die Werte des Grundgesetzes nicht respektiert und vertritt und z.B. rassistisch handelt. Aber für den Wahlkreis kommt es mir v.a. darauf an, dass ein Politiker auch vor Ort umsetzungsstark und vernetzt ist. Kann er auch für die Bürger vor Ort etwas bewegen? 

Mir brennt in diesen Tagen ein Thema unter den Nägeln, was ich gerne langfristig und nachhaltig gelöst haben würde (keine Übergängslösung nur für das Wahljahr). Es geht um die Wasserspielplätze in Frankfurt und dabei im speziellen um den Waldspielplatz in Schwanheim. In Schwanheim fließt kein Wasser. denn die Filteranlage ist kaputt. Auch letztes Jahr wurde schon mit einer „Interimslösung“ gearbeitet, wie es die Stadt so schön nennt. Der Sanierungsbedarf hat sich aufgestaut. Auch letztes Jahr ging in Schwanheim lange nichts. Während über Rekordeinnahmen der Kommunen berichtet wird, sind 80.000 EUR für die Sanierung eines Spielplatzes nicht da. Klar, für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in der Silvesternacht kann man das schon mal locker machen und auch mehr (120.000 EUR). Kinder haben keine Lobby. Eltern, die auf solche Angebote angewiesen sind, da sie kostenlos zur Verfügung stehen und Kindern in der überhitzten Großstadt Abkühlung bieten, auch nicht. Wer den Waldspielplatz in Schwanheim kennt, weiß welch ein beliebter Ort der Spielplatz ist. Verschiedenste Nationalitäten und Kulturen treffen sich und kommen friedlich zusammen. Es hing dort bei meinem letzten Besuch vor einer Woche noch nicht mal ein Schild, warum das Wasser aus bleibt.

Wer im September meine Stimme will, sollte sich zuerst dieses Themas annehmen. Ich will sehen, dass Du als Direktkandidat für meinen Wahlkreis Interesse an der Situation hier vor Ort hast. Verzichte auf ein paar Plakate und saniere den Spielplatz. Nützt uns allen mehr. Nicht reden, handeln. Bewegt einen eurer Wahlkampfspender dazu, etwas zu tun. Vielleicht kennt auch jemand ein lokales Unternehmen, dass anpacken kann?  Macht Druck auf eure Kollegen in der Stadtversammlung und in der Stadtregierung. Ihr glaubt, die Kommunalpolitiker könnten euch bei der Wahl nicht helfen? Ihr habt euch geirrt. Mir ist ja auch egal, ob es ein Strohfeuer vor der Wahl ist. Ich will keine Versprechungen sehen. Ich will, dass etwas passiert. Schlachtet es danach gerne für Marketingzwecke aus. Wer kann im Wahlkreis wirklich etwas bewegen? Wer ist es Wert nach Berlin geschickt zu werden?  

Und jetzt mag der Einwand kommen, dass es sich bei dem Thema um kein bundespolitisches Thema handelt. Das weiß ich auch. Ich könnte nun einen Leserbrief an die Frankfurter Neue Presse schreiben und mich aufregen. Ich könnte die Stadt anschreiben und auf eine Antwort hoffen. Ich könnte die einzelnen Parteien anschreiben und auf wenig vertröstende Aussagen hoffen. Es scheint mir nicht sehr hoffnungsvoll. Und nachdem ich bei der Erststimme wahrlich unentschieden bin, lasse ich mich gerne überzeugen. 

Ich bin ja nun erstmal gespannt, wer hierauf überhaupt reagiert….