Sportbuch 03/2017: Über Basketballs größten Coach

Lange, lange ging es in dieser Reihe wieder um Fußballbücher. Es ist der Sport, der mich mittlerweile am meisten beschäftigt. Trotzdem schaue ich ab und an über den Tellerrand und lese auch Bücher, die sich mit anderen Sportarten beschäftigen. Eines dieser Werke, welches relativ lange ungelesen im Regal lag, ist ein autobiografisches Buch, dass vom bisher erfolgreichsten Basketball Coach der NBA-Gechichte geschrieben wurde. Sacred Hoops von Phil Jackson beschäftigt sich vor allem mit seiner Zeit bei den Chicago Bulls, wo er wohl eines der besten Teams überhaupt trainierte. 

 

Sneak Peak auf Sportbuch 03/2017. Es wird wohl diesmal kein Fußballbuch.

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Dabei geht er natürlich in diesem Buch auch auf die Beziehung zu seinen Spielern und den Umgang mit Michael Jordan, Scottie Pippen und Dennis Rodman ein. Aber alleine diese Darstellung hat es nicht geschafft, dass mich dieses Buch auch über eine gewisse Zeit nach der Lektüre immer noch beschäftigt hat. Im Mittelpunkt steht sein Hauptgedanke, dass durch Ruhe und Meditation eine bessere Leistung erzielt werden kann. Dabei rückt er die Leistung des Teams vor die Befindlichkeiten des Einzelnen. Wie er es geschafft hat, mit diesen Ideen einen solchen Erfolg zu erzielen, ist beeindruckend. Bei den Bulls ist auf diese Weise ein eingeschworenes Team entstanden, dass Meilensteine gesetzt hat. 

Die Besinnung auf die innere Ruhe und die Konzentration auf die wichtigen Dinge, ist ein unterschätzter Aspekt. Oftmals geht es im Alltag darum, so zu tun, als ob man sich kümmere. Die Handlung selbst rückt in den Hintergrund. Phil Jackson stellt dazu eine Art Gegenentwurf vor, von dem sich auch Menschen inspirieren lassen können, die sich sonst wenig mit Sport beschäftigen. Damit ist Phil Jackson ein Buch gelungen, dass auf mich einen größeren Einfluss ausübte, als viele Bücher, die eigentlich genau diesen Einfluss als Ziel haben (Management-Ratgeber wie Ancelottis Buch, etc.). Von mir gibt es dafür eine klare Leseempfehlung. 

Die Antilopen Gang ist sich ihres gesamten Potentials nicht bewusst

Ende Januar hat die Antilopen Gang mit Anarchie und Alltag ihr zweites Majoralbum veröffentlicht. Ihr erstes Album Aversion hat mich vor einigen Jahren sehr begeistert. Seitdem ist viel passiert und die Antilopen Gang hat sich langsam ein größeres Publikum erspielt. Mit Spannung habe ich den Nachfolger erwartet. Die Erwartungshaltung war insgesamt höher und der Hype ist immer noch groß. Aber auch damit wissen die Antilopen ja mit Humor umzugehen. Das trojanische Pferd ist hierfür der beste Beweis. 

Und so hat das Album auch diesmal wieder diese einmalige Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Klar, kann man die Jungs mit K.I.Z. vergleichen, der Humor ist dennoch verschmitzter und der Auftritt nicht so streng. Pizza ist wohl  ein Hit, der uns noch länger begleiten wird, der hiervon einen guten Eindruck vermittelt. 

Das Album hat insgesamt viel Spaß gemacht. Abwechslungsreich, auch wenn ich nicht mit jedem Song etwas anzufangen wusst. Und so bin ich im Februar nach Wiesbaden gefahren, um mir die Jungs auch mal live anzuschauen. Und hier kam nun etwas die Enttäuschung. 60 Minuten bis zur ersten Zugabe sind einfach zu wenig. Der Auftritt war insgesamt solide aber zu kurz. Die Jungs könnten mit spontanem Humor auf der Bühne und einem Ausbruch aus den normalen Konzertgepflogenheiten mehr punkten. Covert doch fünf Punksongs! Klaut euch geile Teile bei anderen Künstlern und macht was draus!

Die Antilopen Gang treffen aus meiner Sicht wie kaum eine andere Gruppe den Zeitgeist. Sie haben deutliche Ansichten und drei Meinungen. Sie haben großartigen Humor. Sie könnten noch viel größer sein. Oder sie verpuffen, wenn Sie ihr Profil nicht schärfen und erkennen, das ihre Unverwechselbarkeit verloren geht, wenn sich die Songs und Witze abnutzen. Immer so weiter ist keine Option. Erspielt euch die Stadien! Oder waren das schon alle eure guten Ideen? Ich hoffe nicht. 

Neue Musik 02/2017: Zeit für den nächsten Road Trip

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich gerne Musik höre, die folkige Elemente enthält. Jeremy Loops ist dafür nur ein Beispiel. Diesmal heißt das Ganze offiziell Elektro-Folk. Was soll man darunter verstehen? Talisco arbeitet auf Capital Vision mit Samples und hinterlegt damit seinen ursprünglich gitarrenlastigen, folkigen Sound. Mir war Talisco bis dato kein Begriff. Der Franzose hatte derweil wohl vor ein paar Jahren mit „Your Wish“ einen Hit und tourt seitdem mit seiner Musik durch die Welt.  Wenn man dann den Titel zum ersten Mal hört, dann fragt man sich, warum man erst jetzt von dieser Kombination aus elektronischen Samples und Gitarrenmusik hört. 

Die elektronischen Samples verpassen seiner Musik den nötigen Punch. Die Beats treiben die Songs an. Man hört auch die Sonne, denn der Sound ist warm und positiv. Wir haben in der Zwischenzeit Urlaub auf einer Insel gebucht und Taliscos neues Album wird mich in diesem Urlaub sicher begleiten. Ich kann mir kaum bessere Musik für einen Road Trip vorstellen. 

Einzig, dass manche seiner neuen Songs noch nicht genügend Zug und Tempo haben, kann man Talisco dabei vorwerfen. Derweil befinde ich mich selbst in einer Phase von Rastlosigkeit und Songs wie „Before the Dawn“ oder „Behind the River“ lassen mich wartend auf die nächste schnellere Nummer zurück. Andere Nummern wie „Loose“ bringen das Album zurück in die Spur. Langweilig oder eintönig sind dabei die falschen Adjektive. Einfallsreich, vielseitig und inspiriert treffen es besser. 

Liebe Leute, das Album macht richtig viel Spaß und Talisco werde ich im Auge behalten. Ich glaube sogar beobachten zu können, dass die Sonne hinter den Wolken hervorlugt, wenn ich etwas lauter drehe. 

Sportbuch 02/2017: Warum Robert Enke so wichtig ist

Diese Reihe legt ja keinen Wert auf Tagesaktualität. Ronald Rengs Buch über Robert Enke Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben lag hier einige Jahre im Regal. Irgendwie fehlte mir die Muße mich auf dieses Buch einzulassen. Ich hatte Vorurteile. Ich spreche auch regelmäßig mit anderen Menschen über den aktuellen Lesestoff und die Reaktionen waren oft eher ablehnend so nach dem Motto: Warum liest Du in deiner Freizeit so etwas trauriges. Versteht mich nicht falsch, das Buch enthält todtraurige Passagen. Aber zuerst ist es ein wunderbares Buch über einen Menschen, den ich gerne kennengelernt hätte. 

 

Ein Sneak Peak auf das Sportbuch 2017. Februar oder März kommt dann der Langtext. #Sportbuch2017 #Fussballbuch

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Ronald Reng ist ein tolles Buch gelungen, dass eventuell die beste Sportlerbiografie meiner Kenntnis ist. Das Buch profitiert enorm vom persönlichen Kontakt des Autors mit dem Sportler, der wirklich eine persönliche Beziehung darstellte und nicht nur oberflächlich war. Reng gelingt es diesen persönlichen Kontakt ins Buch einfließen zu lassen. Zudem ist er wohl einer der begabtesten Sportautoren der Gegenwart und schafft es die Fakten und Vorgänge rund um das Leben und die Karriere von Robert Enke mit seinem journalistischen Blick einzuordnen und in einen Gesamtkontext zu setzen. 

Neben dem Leben von Robert Enke bekommt man einen tollen Einblick in die Vorgänge bei Benfica Lissabon, Barca, Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Insgesamt hat Ronald Reng einen enormen Blick für das Fußballgeschäft an sich. Robert Enke steht dabei immer im Vordergrund. Die Karriere eines der besten deutschen Torhüter der letzten 20 Jahre, der sich v.a. auf einer persönlichen Ebene immer positiv von den Kahns und Lehmanns abgehoben hat. Das genau diese überaus sympathische Person an der Krankheit Depression zerbrochen und gescheitert ist, weil eventuell auch der öffentliche Druck einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten nicht zulässt, ist immer noch überaus tragisch. Derweil sollte uns allen das Buch helfen, die Krankheit Depression als genau das anzuerkennen: eine Krankheit. 

Immer noch leben in Deutschland wohl viele Menschen mit dem Geheimnis einer psychischen Krankheit und trauen sich nicht, diese gegenüber Freunden und Familie zu offenbaren. Dagegen sollten wir gemeinsam weiter vorgehen. Die Robert Enke Stiftung geht hier voran und unterstützt Projekte, die sich auf die  Aufklärung und Erforschung von Depression konzentrieren. Diese Arbeit ist immer noch von enormer Wichtigkeit.

Jedem Fan sollte dabei die eigene Rolle im Stadion bewusst sein. Wie mit Fußballspielern umgegangen wird, ist nicht mit sozialem Verhalten erklärbar. Assoziale Beschimpfungen können in Stadien auch heute noch regelmäßig beobachtet werden. Lasst uns alle dazu beitragen, dass diese in Stadien aussterben. Sprecht sie offen an und toleriert sie auch bei anderen nicht. Unterstützt euer Team und eure Spieler. Das nächste Bier geht dann auf mich, egal von welchem Verein ihr ein Fan seid.  

Neue Musik 01/2017: Fetter Sound von den Giant Rooks

Mittage am Wochenende verbringe ich gerne damit, Texte für diesen Blog oder die Rosenau Gazette zu schreiben. Dabei springe ich von Musikvideo zu Musikvideo. Oft höre ich Künstler, die ich schon länger verfolge, bleibe bei einem Abba Livemitschnitt hängen und schon wacht meine kleine Tochter wieder auf und will die Affenbande hören. Manchmal stolpere ich dabei über Künstler, die mir vorher noch nicht begegnet sind und die mich faszinieren. So ging es mir mit Jeremy Loops oder auch mit Impala Ray. In (sehr) unregelmäßigen Abständen will ich euch Musik vorstellen, auf die ich neuerdings gestoßen bin und werde das ganz uncharmant „Neue Musik“ nennen und je Jahr durchnummerieren. Ich mag nun mal Ordnung ganz gerne. Los geht’s. . 

Als erstes will ich euch die Giant Rooks ans Herz legen. Die Newcomer Band hat gerade mit New Estate ihre erste EP veröffentlicht und diese lief nun diese Woche in einer Dauerschleife bei mir. Es sind nur fünf Songs, aber alleine der Titelsong hat unfassbares Ohrwurmpotential. Wie soll man diese Musik beschreiben? Englischsprachiger Indie Pop, mit einer starken Gitarre, dicht arrangiert, mit eindringlichem Gesang.  

Ich finde das Soundgemisch sehr schön. Es ist die Musik, die ich gerne höre, wenn ich mit dem Zug durch das Land fahre und aus dem Fenster schaue. Diese jugendlich-melancholische Note, die durchtränkt ist von großem Optimismus bzgl. des Lebens im generellen und seinen kleinen sehr schönen Details, lässt mir das Herz aufgehen. Ich schließe die Augen und höre zu, lasse mich verzaubern. 

Was mich dabei kurios umtreibt, ist die Frage, ob sich diese Musik auch live so umsetzen lässt. Ich zweifele. Nichtsdestotrotz, danke ich den Giant Rooks für einige schöne Momente in diesem Winter, in denen sie mich positiv gestimmt haben. Ein ganzes Album würde ich mir gerne anhören. Her damit! Mehr davon!